Jens Rüffers neues Buch über die Zisterzienser

Zahlreiche Bildbände sind in den vergangenen Jahren zu Kunst, Leben und Architektur der Zisterzienser erschienen: der äußerst preiswerte und umfassende Bildband von Leroux-Dhuys, der Band von Jürgen Sydow oder Franz-Karl von Linden und der neu aufgemachte Klassiker von Georges Duby mit schönen Bildern. Was ist also wirklich neu an Jens Rüffers’ Band „Die Zisterzienser und ihre Klöster – Leben und Bauen für Gott“?

Eine erste Antwort auf diese Frage findet sich schon im Vorwort des Bildbandes: „Die Architektur der Zisterzienser und Zisterzienserinnen wird primär funktions- und sozialgeschichtlich erläutert. In unterschiedlicher Gewichtung werden in einem interdisziplinären Ansatz sämtliche monastische Bauaufgaben behandelt, angefangen von der Kirche über Klausurbauten bis hin zu Grangien und Stadthöfen. Architekturgeschichte wird als lebendige, quellenbasierte Kunstgeschichte erzählt…“ (S.7) Mit seinem Sachbuch richtet sich der Kunstegschichtler Dr. Jens Rüffer von der Universität Bern neben dem allgemeinen Lesepublikum auch (und dies wohl vornehmlich) an Studierende und Lehrende.

Rüffer lässt dabei zahlreiche neue Forschungsergebnisse in seine Arbeit einfließen und schildert die Entwicklung des Zisterzienserordens im 12. und 13. Jahrhundert mit akademischem Sachverstand. Dabei bemüht er sich um zahlreiche historische Quellen, die vieles aus ihrem Kontext heraus erklären. Allein schon darin besteht ein Gewinn des neuen Sachbuches. Viele Kenner der Ordensbaukunst werden hier ganz neue Erkenntnisse gewinnen. Doch auch seine überaus ansprechende Darstellungsweise in einem relativ kompaktem Bildband vermag zu überzeugen. Sein Bemühen ist es, die Baugeschichte der Zisterzienser aus den Anforderungen ihres klösterlichen Lebens heraus zu erklären. Zahlreiche Skizzen und Pläne erleichtern das Verständnis. Überraschend ist auch das Bildmaterial und die Auswahl der beschriebenen Abteien. Eine besondere Würdigung erfahren hier erstmals die englischen Gründungen, ohne die klassischen Beispiele in Frankreich und Deutschland zu vernachlässigen. Die versprochene Gesamtschau auf die Bauaufgaben zum Beispiel bei den Grangien und den Pfleghöfen, sowie die besondere Entwicklung der Zisterzienserinnen kommt leider etwas zu kurz. Hier lässt sich immer noch einiges ergänzendes bei Leroux-Dhuys finden. Der Preis mit 39,90 Euro im freien Handel (für Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft zehn Euro günstiger) ist angemessen. Für Einsteiger in die Thematik bietet sich jedoch eher einer der oben genannten Bände an.

Jens Rüffer
Die Zisterzienser und ihre Klöster
Leben und Bauen für Gott
Primus-Verlag, 39,90 Euro
oder Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 29,90 Euro

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