Vom Reiz der Backsteingotik

Broschüre über die Klöster in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt.

Broschüre Klöster in Mecklenburg-Vorpommern

Broschüre Klöster in Mecklenburg-Vorpommern

Im Jahr 2008 führte das Ministerium Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpom- mern im Rahmen seiner Bemühungen zur Tourismus- förderung bei allen ehemaligen Klöstern des Landes eine Umfrage mit dem Ziel durch, deren Zusammenarbeit und Vernetzung zu fördern..

Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist eine sehr schöne einhundertfünfzigseitige Broschüre entstanden. Sie enthält neben kurzen Informationen zur Geschichte der Klöster auch viele praktische Informationen wie genauer Standort, Besichtigungs-möglichkeiten, Fördervereine und Ansprechpartner usw.

Nicht zuletzt durch die zahlreichen hervorragenden Fotos ist das Lesen der Broschüre ein hoher Genuss

Naturgemäß sind die Zisterzienserklöster, die im Norden Deutschlands vorwiegend backsteingotisch gebaut wurden, zahlreich in der Broschüre vertreten. Sie enthält auch eine kleine Karte mit den Standorten der Klöster und ist somit auch für Reiseplanungen gut geeignet

Kostenlose Bestellung oder Download hier…

Broschüre „Klosterstätten in Mecklenburg-Vorpommern“

(Dr. Frank Sasama)

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Gemäldezyklus in Orange

Reinhard Bergmann: Tintern Abbey, Wales

Reinhard Bergmann: Tintern Abbey

NEUE AUSSTELLUNG 2012

Zu einer besonderen Begegnung mit der Zisterzienser-Architektur lädt zur zweiten Ausstellung “Zisterzienser in Europa” ein. In der Zisterzien-serinnenkirche Rühn bei Rostock stellt der Kunstmaler Reinhard Bergmann seine Sammlung von Studien zur Architektur der Zisterzienser aus. In seiner besonderen Technik, der Orangen-Malerei, bringt Bergmann die besondere Wirkung der zisterziensischen Bauten eindrucksvoll zur Geltung. Licht und Schatten, leichtes und tragendes, Flächen und Struktur, Landschaft, Himmel und menschliche Kulturleistung harmonieren in kontrastreicher Farbgebung.

Auf mehreren Studienreisen durch Europa war Bergmann auf den Spuren der mittelalterlichen Architektur. Er verarbeitete nicht nur Burgen und Schlösser zu Gemäldethemen. Die sakralen Bauwerke, zum Teil schon Ruinen, üben einen besonderen Reiz auf den Kunstmaler aus, sodass schon mehrere Gemälde-Themen über romanische und gotische Klöster entstanden sind. Besonders faszinierend für ihn ist der Kulturtransfer der Mönche des Reformordens der Zisterzienser von Frankreich und Britannien in Richtung Osteuropa. Deren Christianisierungswelle hat besonders in Mitteldeutschland zur Landeskultivierung vom 12.-14. Jahrhundert beigetragen.
Auf Bergmanns Reisen werden die europäischen Klöster der Zisterzienser zielgerichtet digital und in Skizzen aufgenommen, um diese Motive im heimischen Atelier nach seiner speziellen Malart in Ölfarbentechnik  bildkünstlerisch entstehen zu lassen. Die Serie „Zisterzienser-Architektur in Europa” nimmt bis Mitte 2012 ein Umfang von ca. 100 Gemälden ein und wird abhängig von seiner Reisetätigkeit weiter fortgesetzt.
Die 2. Ausstellung startet am 23.Juli 2012 um 14 Uhr in der Klosterkirche in Rühn. Mehr dazu finden Sie auf der Homepage von Reinhard Bergmann www.orangenmaler.de.

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Gibt es eine zisterziensische Architektur?

Blick ins Seitenschiff von San Galgano (Toscana)

Blick ins Seitenschiff von San Galgano (Toscana)

Betritt oder nähert man sich einem Raum in eines Zisterzienserklosters, so hat man das Empfinden, etwas vertrautem, typisch zisterziensischem zu begegnen. Viele Gebäude des Ordens strahlen eine elegante Souveränität aus und beachten dennoch die vom Orden auferlegte Zurückhaltung, so dass sich aus den wenigen bekannten Einschränkungen der mittelalterlichen Ordensbaukunst eine typisch zisterziensische entwickelt. Die Raumästhetik, der Aufriss von Wänden, Giebeln und Fassaden, die Technik und Gestaltung der Wölbung, Bodenfließen und Fenster, ja sogar Mauerwerk und die wenige vorhandene Bauplastik ähneln sich in einem Maße, dass man geneigt ist von einer einheitlich-gestalterischen Ästhetik zu sprechen.

Ob diese Feststellung jedoch gerechtfertigt ist, wird in der Forschung immer wieder bestritten. Zu recht wird darauf hingewiesen, dass die selben mittelalterlichen Gestaltungselemente, ja auch Raumempfinden, Bogen- und Gewölbe sich auch bei anderen Gebäuden der jeweiligen Epoche wieder finden. Dazu gibt es bei jedem Zisterzienserkloster direkte und lokal nachweisbare Verbindungen zu anderen, nicht mit dem Orden verbundenen Bauprojekten, die eher einen Einfluss auf die Bauvorhaben des jeweiligen Klosters schließen lassen. Je genauer wir die Sachlage untersuchen, desto fragwürdiger wird es, von einer einheitlichen, vom Orden gesteuerten zisterziensischen Baukunst zu sprechen.

Anders herum lassen sich tatsächlich zahlreiche stilistische Beeinflussungen der Ordensbaukunst innerhalb des Ordens, ja manchmal sogar in der direkten Filiation nachweisen. Idealplan und strikte Bauvorschriften des Ordens wirkten zusätzlich wie eine Matrix für neue Bauprojekte, die im Rahmen der lokalen und zeitlichen Vorgaben einen als typisch zisterziensisch empfundenen Raum schufen. Dazu ergeben sich stilistische Ähnlichkeiten über einen weit von einander entfernten Raum, sodass Bauteile, Fensterformen oder Raumteile im Süden Europas sich zum Teil nur wenig von Bauvorlagen aus dem Norden unterscheiden.

Berücksichtigt man zusätzlich, dass Zisterzienserklöster nicht selten Bauhütten in ihrer Umgebung direkt und mit Einsatz ihres Personals und Wissens unterstützten (z.B. beim Bau von Kirchen, Schlösser oder Burgen), so kann man die Beeinflussung zumindest als Wechselwirkung bezeichnen. Der Einfluss der Zisterzienser auf die Ausbreitung der Gotik in Europa ist ebenso umstritten, wie die Frage einer einheitlichen zisterziensischen Baukunst. Selbstverständlich hatte sich die Gotik auch unabhängig vom Orden über Europa verbreitet. Die Multiplikation der Stilformen wurde jedoch vom Orden mit begünstigt.

Insgesamt kann man also von keiner einheitlichen zisterziensischen Stilform reden, eher sind lokale und allgemeine stilistische Einflüsse der Epoche zu beobachten. Gleichzeitig lassen sich jedoch direkte, dem Orden zuzuordnende Beeinflussungen nachweisen, die eine teilweise Begünstigung bestimmter Bauformen nahe legen. Ein gemeinsames ästhetisches Raumempfinden liegt sicher mehr in der Mode der Zeit begründet als in einem einheitlichen Plan, ergeben jedoch bei gleichen oder ähnlichen geistigen Grundvoraussetzungen eine Wiederholung der Muster und Formen, die uns als subjektive Betrachter einen einheitlichen oder zumindest verwandten Raumeindruck vermitteln.

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Die Leuchten der Provinz

Ruinen der Klosterkirche von Rievaulx (North Yorkshire)

Ruinen der Klosterkirche von Rievaulx (North Yorkshire)

Die englischen Drei

In unmittelbarer Nähe (keine Autostunde voneinander entfernt) finden sich drei der wichtigsten englischen Gründungen, die nicht nur historisch sondern auch stilistisch sehr verwandt sind. Rievaulx im Norden Yorks ist eine der ältesten Gründungen der Zisterzienser in England. Bernhard selbst soll hier aktiv geworden sein. Fountains im Westen von York (bei Ripon) zählt zu den bedeutensten und schönsten Gründungen des Ordens. Es verkörpert eine vollkommene Umsetzung des Idealplans, die auch als Ruine heute noch beeindruckt. Und Byland, ganz in der Nähe von Rievaulx, überrascht durch die pure Größe der Anlage, die den beiden zuerst genannten in nichts nachsteht. Obwohl viel später gegründet und der Fililation von Savigny zuzurechnen, orientiert sich die Umsetzung dieser Anlage stark an den beiden älteren Geschwister in der Umgegend. Einen Besuch lohnen alle drei und der ursprüngliche Geist der frühen Gründungen des Ordens ist hier an vielen Details noch deutlich zu erkennen.

Der Augustinerchorherr Wilhelm von Newburgh († 1198) schrieb über Rievaulx, Fountains und Byland: “Diese drei Klöster sind durch die Einheit regularer Disziplin sowie durch das enge Band der Empfindungen miteinander verknüpft. Die drei erstrahlen durch die Vorbildlichkeit in der heiligen Lebensweise gleichsam als die Leuchten unserer Provinz (lumina provinciae).”

Zitiert nach Jens Rüffer, Die Zisterzienser und ihre Klöster, 2008, S.74)

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Woher stammt der Name Cistercium?

Blattwerk an Kapitellen in Pontigny

Blattwerk an Kapitellen in Pontigny

Die Zisterzienser werden benannt nach dem Mutterkloster des Ordens in Cîteaux, lateinisch Cistercium. So weit so gut. Doch woher stammt der Name Cistercium und was bedeutet er? Das in den Sümpfen bei Dijon gegründete novum monasterium – das neue Kloster, wie es die ersten Jahre nur hieß, übernahm schon bald den Ortsnamen Cistercium (im Französischen verkürzt auf Cîteaux). Nicht ganz klar ist jedoch, woher dieser Name stammt und was er bedeutet. Drei Deutungen lassen sich heranziehen:

  1. er gehe zurück auf die lateinische Ortsbezeichnung cis tertium lapidem miliarium – sprich diesseits des dritten Meilensteins an der römischen Straße von Langres nach Chalons sur Saône. (Rüffer, Wikipedia FR)
  2. oder er stehe mit dem altfranzösichen Wort cistel in Beziehung, dem Röhricht (roseau) wie er typisch ist für die sumpfige Gegend. Der Legende nach schmückten die einfachen Blätter der Sumpfpflanze lange Zeit die Kapitelle der Zisterzienser. (Rüffer, Leroux-Dhuys, Wikipedia FR)
  3. letztlich wird vorgeschlagen er leite sich von cistercium = (lateinisch) Brotkorb her. (Leroux Dhuys)

Siehe auch:

Leroux-Dhuys, Zisterzienser, S. 172
Rüffer, Die Zisterzienser, S. 10
Wikipedia FR: Abbaye de Cîteaux

Hinweis:

Dieser Beitrag aus meiner Feder war Grundlage für meinen Artikel “Cistercium” auf Wikipedia und unterliegt nun den Lizenzbestimmungen der Commons Attribution-ShareAlike. Der Artikel wird dort offen weiterbearbeitet und aktualisiert. Sie finden Ihn unter  http://de.wikipedia.org/wiki/Cistercium.
Autor: Achim Fürniss

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750 Jahre Altenberger Dom

Gotischer Chor des Altenberger Doms

Gotischer Chor des Altenberger Doms

Im Jahre 1259 wurde der Grundstein gelegt zu einem der bemerkenswertesten Bauwerke der mittelalterlichen Baugeschichte in Deutschland: dem Altenberger Dom. Die bisherige romanische Klosterkirche der Abtei Altenberg (gegründet 1133) war durch ein Erdbeben 1222 schwer beschädigt worden. Die neue, gotische Klosterkirche sollte die bisherige in ihren Dimensionen bei weitem übertreffen. Ohne den Lobpreis der Mönche zu unterbrechen wurde um die alte Kirche herum eine neue, größere Kirche gebaut. Als Grablege der Stifter, der Grafen von Berg, und in unmittelbarer Nähe des Neubaus des Kölner Doms wurde das neue Gebetshaus der Zisterzienser in 181 Jahren fertig gestellt. Im Jahre 1379 wurde die Kirche geweiht und war erst 1440 fertig gestellt.

Dem bemerkenswerten Gebäude wird in diesem Jahr vom Altenberger Dom-Verein eine Ausstellung mit zahlreichen Vorträgen bekannter deutscher Kunst- udn Architektur-Geschichtler gewidmet. Die Ausstellungen zeigen in den Wirtschaftsgebäuden des ehemlagigen Klosters die Arbeitsweisen und das Vorgehen bei einem mittelalterlichen Kirchenbau. Dabei werden neuere bauhistorische Erkenntnisse präsentiert. In virtuellen Modellen kann der Besucher mehr erfahren über den Baubetrieb erfahren und selbst ausprobieren.

Mehr dazu finden Sie auf der Seite des Dom-Vereins unter http://www.altenbergerdom.de

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Lebendige Einblicke

Wie sieht das Leben in einem echten Kloster aus? Von vielen Zisterzienserabteien zeugen heute nur noch die leeren Räume von dem Leben, das früher in ihnen stattfand. Zu den wenigen noch bewohnten Abteien des Zisterzienserordens gehört das Kloster Hauterive bei Freiburg in der Schweiz. In den historischen Gebäuden aus verschiedenen Epochen leben Zisterziensermönche wie eh und je – und sind dennoch in der Neuzeit angekommen.

Der schweizer Fotograf Paul Joos hat die Mönche von Hauterive mit seiner Leica M6 über Jahre begleitet. Bei etwa 15 Besuchen entstanden die Fotos für seinen Bildband “Leben im Kloster – Hauterive”. Die brillianten Schwarzweißfotos von Paul Joos vermitteln einen lebensnahen Einblick in das Leben hinter Klostermaueren.  Ob bei der Arbeit, beim Gebet oder der persönlichen Meditation – überall hat er die Brüder von Hauterive mit seinen Bildern eigefangen.

Mit ergänzenden Erklärungen zum Leben im Kloster, zur Bau- und Kunstgeschichte kommen in diesem sehenswerten Bildband verschiedene Brüder des Klosters und Fachleute zu Wort. Für alle die schon immer mal hinter die Klostermauern schauen wollen, ist dieses Buch nur zu empfehlen.

Paul Joos
Leben im Kloster – Hauterive
Paulus-Verlag, Freiburg (Schweiz)
29,00 Euro
ISBN 13:978-3-7228-0690-7

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Jens Rüffers neues Buch über die Zisterzienser

Zahlreiche Bildbände sind in den vergangenen Jahren zu Kunst, Leben und Architektur der Zisterzienser erschienen: der äußerst preiswerte und umfassende Bildband von Leroux-Dhuys, der Band von Jürgen Sydow oder Franz-Karl von Linden und der neu aufgemachte Klassiker von Georges Duby mit schönen Bildern. Was ist also wirklich neu an Jens Rüffers’ Band „Die Zisterzienser und ihre Klöster – Leben und Bauen für Gott“?

Eine erste Antwort auf diese Frage findet sich schon im Vorwort des Bildbandes: „Die Architektur der Zisterzienser und Zisterzienserinnen wird primär funktions- und sozialgeschichtlich erläutert. In unterschiedlicher Gewichtung werden in einem interdisziplinären Ansatz sämtliche monastische Bauaufgaben behandelt, angefangen von der Kirche über Klausurbauten bis hin zu Grangien und Stadthöfen. Architekturgeschichte wird als lebendige, quellenbasierte Kunstgeschichte erzählt…“ (S.7) Mit seinem Sachbuch richtet sich der Kunstegschichtler Dr. Jens Rüffer von der Universität Bern neben dem allgemeinen Lesepublikum auch (und dies wohl vornehmlich) an Studierende und Lehrende.

Rüffer lässt dabei zahlreiche neue Forschungsergebnisse in seine Arbeit einfließen und schildert die Entwicklung des Zisterzienserordens im 12. und 13. Jahrhundert mit akademischem Sachverstand. Dabei bemüht er sich um zahlreiche historische Quellen, die vieles aus ihrem Kontext heraus erklären. Allein schon darin besteht ein Gewinn des neuen Sachbuches. Viele Kenner der Ordensbaukunst werden hier ganz neue Erkenntnisse gewinnen. Doch auch seine überaus ansprechende Darstellungsweise in einem relativ kompaktem Bildband vermag zu überzeugen. Sein Bemühen ist es, die Baugeschichte der Zisterzienser aus den Anforderungen ihres klösterlichen Lebens heraus zu erklären. Zahlreiche Skizzen und Pläne erleichtern das Verständnis. Überraschend ist auch das Bildmaterial und die Auswahl der beschriebenen Abteien. Eine besondere Würdigung erfahren hier erstmals die englischen Gründungen, ohne die klassischen Beispiele in Frankreich und Deutschland zu vernachlässigen. Die versprochene Gesamtschau auf die Bauaufgaben zum Beispiel bei den Grangien und den Pfleghöfen, sowie die besondere Entwicklung der Zisterzienserinnen kommt leider etwas zu kurz. Hier lässt sich immer noch einiges ergänzendes bei Leroux-Dhuys finden. Der Preis mit 39,90 Euro im freien Handel (für Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft zehn Euro günstiger) ist angemessen. Für Einsteiger in die Thematik bietet sich jedoch eher einer der oben genannten Bände an.

Jens Rüffer
Die Zisterzienser und ihre Klöster
Leben und Bauen für Gott
Primus-Verlag, 39,90 Euro
oder Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 29,90 Euro

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Neues Leben am Ende der Welt

Kapitelsaal Tigilieto

Kapitelsaal Tigilieto

Sie liegt schon etwas abgelegen, hoch in den ligurischen Apenninen in einem einsamen Tal. Wer zu ihr will, verlässt die Autobahn von Alessandria kommend nach Genova-Voltri bei der Abfahrt Ovada oder von der Küste kommend in Masone. In der Ortschaft Rossiglione im Sturatal führt die enge und kurvenreiche Straße hinauf auf die Passhöhe und von dort wieder hinunter in das Tal der Orba zu der heutigen Ortschaft Tiglieto. Unten im Tal, jeseits der schönen alten mittelaterlichen Brücke über die Orba befindet sich auf einer weiten Talaue die Badia, die alte Abtei von Tiglieto.

1120 gegründet ist Tiglieto die erste Tochter der Primarabtei La Ferté und die erste Gründung der Zisterzienser außerhalb Frankreichs und in Italien. Vor über zwanzig Jahren war ich das erste Mal in Tiglieto. Die Gebäude waren damals noch in einem erbärmlichen Zustand. Es tat weh zu sehen, wie ein so wichtiges kunsthistorisches Monument einfach dem Verfall preisgegeben wurde. Immerhin gehört die Kirche von Tiglieto zu einer der ältesten und ursprünglichsten des Ordens. Freilich war ständig an ihr herum gebaut worden. Die Chorpartie war schon in der Barockzeit verfallen und abgerissen worden. Es steht heute nur noch das Langhaus. Den Eingang verlegte man in dieser Zeit auf die Ostseite, den Altar in den Westen. Das Innere der Kirche wurde barock umgestaltet, wie viele ligurische Dorfkirchen eben. Die Klausurgebäude gehören schon seit 1648 der Familie des letzen Kommendatarabtes Kardinal Raggio und wurde als Landhaus genutzt.

Im Sommer 2008 zog es mich wieder nach Tiglieto. Wieder die Kurven, wieder die Einsamkeit der ligurischen Berge. Doch der Besuch in Tiglieto überraschte mich. Die stark verfallenen Gebäude wurden in den vergangenen Jahren liebevoll hergerichtet. Mit Geldern der Genueser Bank CARIGE und der Region wurden die Gebäude wieder einigermaßen in Stand gesetzt. Vor allem die alte Kirche und der Kapitelsaal, aber auch die Reste des Kreuzgartens und die Außenanlagen wurden restauriert. Kirche und Kloster können inzwischen wieder besichtigt werden. Die Kirche betritt man nun wieder von Westen und das Portal im Osten wurde geschlossen, vor dem sich innen nun wieder der Altar befindet.

Besonders erfreulich ist jedoch, dass seit 2005 wieder Zisterziensermönche im ersten Kloster des Ordens in Italien eingezogen sind. Ein Mönch des Ordens begrüßte mich freundlich und erzählte mir, sie seien von der Abtei S. Bernardo alle Terme aus Rom hier her gekommen. Ein vortrefflicher Ort, denke ich. Die Ruhe und Abgeschiedenheit in den ligurischen Bergen und die Einfachheit der Gebäude vermitteln einen Eindruck davon, wie der Aufbruch des Zisterzienserordens einst über ganz Europa begann. Ein bißchen Honig und Kräuterlikör kann man im Klosterladen in der alten Sakristei erwerben, dazu Schrifttum und Kunstkarten. Und wer mag bleibt noch zum Stundengebet am Abend, bevor man dann hinaustritt in die Stille der Nacht im verlassenen Orbatal und die alte Klosterallee entlang geht zum abseits gelegen Parkplatz…(mehr)

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Anno Domini 1098

Im März 1098 macht sich eine kleine Gruppe von Mönchen auf den Weg in die Wälder und Sümpfe von Cîteaux. Angeführt wird Sie von Robert, dem ehemaligen Leiter des Klosters von Molesme. Mit dem mühsamen Beginn in Cîteaux beginnt die faszinierenden Geschichte eines religiösen Aufbruchs, der innerhalb von einem Menschenleben ganz Europa erfasste.

Und auch heute noch, mehr als 900 Jahre später, sind es nicht nur die bemerkenswerten steinernen Zeugen dieses Aufbruchs, die immer noch an die erstaunliche Geschichte des Zisterzienserordens erinnern. Die religiöse, kulturgeschichtliche, ja weltgeschichtliche Bedeutung der Zisterzienser kann nicht hoch genug angesetzt werden.

Dieser Blog möchte dazu einladen, den Resten und Zeugen einer mittelalterlichen Klosterwelt zu begegnen, die genauso fremd wie faszinierend ist – einer Welt, die auch heute noch unzählige Menschen in ihren Bann zieht. In Beiträgen zu einzelnen Abteien, in Berichten zu Themen zum Leben und Wirken des Zisterzienserordens möchte ich hier immer wieder neu dazu einladen, eine längst vergangene Welt zu bedenken. Ausführlichere Informationen und zahlreiche Bilder finden Sie auf meiner Webseite zur Geschichte, der Kunst und dem Leben der Zisterzienser www.cistercium.info.

Ihr Achim Fürniss, Backnang, Württemberg

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